Die prämierten Projekte in Kürze

 

 

 

Das Siegerprojekt

 

«TUTAJWied» von Julia Modlinska
Universität der Künste, Berlin

 

 



Mit Hilfe eines orthogonalen Bebauungsrasters und der Einhausung der Autobahnausfahrt macht «TUTAJWied» aus dem Unort am Ende der Autobahn einen Ort, an dem gut gewohnt werden kann. Basis des Rasters bilden acht grosse Betontische, die quer zur Fliessrichtung der Sihl auf Stützen im Wasser plaziert sind. Darüber stehen auf zwei Ebenen rechtwinklig gestapelt langgezogene, eingeschossige Wohngebäude in vorgefertigter Holzbauweise. Ein mittig angeordneter Korridor halbiert jedes Wohngebäude der Länge nach und schafft so unterschiedliche Raumschichten. Diese lassen sich flexibel kombinieren und reagieren damit nicht nur auf die rasch wechselnden Bedürfnisse des Wohnens sondern lassen auch eine dauerhafte Wohnnutzung zu. 

 

 

Jurybewertung
«TUTAJWied»  ist das reifste der eingereichten Projekte und hat die Jury gleich mehrfach überzeugt: Beispielsweise mit der Einhausung der Autobahnausfahrt oder der Grundrisskonfiguration, die eine hohe Flexibilität erlaubt. Die sorgfältige Gestaltung und die stadträumliche Qualität sind ein wichtiger Beitrag zur Reparatur dieses heute unwirtlichen Ortes. Die bewusste Verletzung des vorgesehenen Planungsperimeters ist ein mutiger aber angesichts des Resultats legitimer Entscheid.

 

 

 

Die ex aequo Zweitplatzierten

 

 

 

«Dwelling Palace» von Maren Kröller und Raphaela Buchberger
Staatliche Akademie der bildenden Künste, Stuttgart

 

 

 

«Dwelling Palace» versucht mit baulichen Mitteln bewusst die gesellschaftliche Stigmatisierung von Menschen in Not zu durchbrechen. Der sechsgeschossige Baukörper steht mitten im Flussbett der Sihl und zeichnet die sanfte Kurve des Wasserlaufs nach. Zentrales Element der Verbindung zwischen den Bewohnern der Notwohnungen und der restlichen Gesellschaft bildet das öffentlich genutzte Erdgeschoss, das direkt mit den Promenaden am Flussufer verbunden ist.
Die fünf darüberliegenden Wohngeschosse können von den Nutzern weitgehend selbst gestaltet werden. Möglich macht dies das grob gerasterte Betonskelett als tragende Struktur. Dieses kann je nach Nutzungswunsch mit zehn unterschiedlichen Modulen gefüllt und so bewohnbar gemacht werden.


Jurybewertung
Die grobe Betonstruktur, die mit Modulen gefüllt werden kann, hat die Jury aufgrund ihrer Nutzungsvielfalt angesprochen. Spannend ist der Vorschlag alle öffentlichen Räume in einer Ebene zusammenzufassen und klar von den Wohnbereichen zu trennen. Das Projekt erinnert an den japanischen Architekturstil der Metabolisten, bei denen unterschiedlich kombinierbare «Capsules» – einfache Raumkuben – ein zentrales Element bilden. Im «Dwelling Palace» fehlt aber eine konsequente Umsetzung der Capsule-Idee.

 

 

 

 

«9062501» von Christina Cernovsky und Franziska Faber
Leibniz Universität, Hannover

 

 

 

Das Projekt «9062501» setzt am Stummel der unvollendeten Autobahn einen markanten Schlusspunkt in Form eines achtzig Meter hohen und nur zehn Meter tiefen Hochhauses.
Eine öffentliche Halle auf Höhe der Autobahnbrücke setzt den Dialog mit der Strasse auch im Innern fort. Oberhalb der grossen Halle sind 18 Wohngeschosse angeordnet. Schotten unterteilen die Stockwerke der Breite nach in sechs gleich grosse Wohnräume, die mit Hilfe von Schiebelementen miteinander kombiniert werden können. Die kleinste Einheit bildet ein Einzimmer-Appartement. Die geräumigste Einheit umfasst alle sechs Zimmer eines Stockwerks und könnte beispielsweise von einer grösseren Familie belegt werden.


Jurybewertung
Der Vorschlag, Notwohnungen in einem Hochhaus unterzubringen, hat innerhalb der Jury zu kontroversen Diskussionen geführt. Der Entscheid ist mutig und schafft städtebaulich einen klaren Abschluss des Autobahnstummels. Zudem ist die Wahl eines Hochhauses innerhalb der Bandbreite des Wettbewerbs ein interessanter und provokativer Ansatz, der in einer hohen Qualität ausgearbeitet wurde. Es stellt sich aber die Frage, ob ein Hochhaus nicht die falsche Symbolik für ein Gebäude mit Notwohnungen darstellt.

 

 

 

 

Weitere Informationen:
Wettbewerbspublikation


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