Was hat Hawa so erfolgreich gemacht?

Interview mit der Familie Haab

 


Zum Jubiläum das Interview über das Familienunternehmen Hawa. Aufbaupionier Otto Haab und sein Sohn Gregor sowie Aufbaupionier Karl Haab und Sohn Heinz blicken zurück und erklären, was den Erfolg von Hawa ausmacht.

Warum haben Sie 1965 auf die Schiebetechnologie gesetzt?
Otto Haab: Wir wollten ein mobiles Trennsystem entwickeln, um einen Saal mit Schiebeelementen unterteilen zu können.
Karl Haab: Dafür benötigten wir einen Beschlag. Ich nahm Kontakt auf mit Fritz Walz. Der 67-Jährige hatte eine Einmannfirma in Uetikon am See. Er bot uns statt eines Beschlages gleich seine ganze Firma an.

Die Hawa?
Karl Haab: Richtig. Wir hatten damals überhaupt kein Geld und waren auf Unterstützung angewiesen. Unser Vater sowie einige Freunde haben uns das Kapital geliehen.
Otto Haab: Wir haben in Mettmenstetten in einer ehemaligen Malerwerkstatt angefangen, die Einzelteile unserer Beschläge anzufertigen. Hinter einer Trennwand haben wir das Büro eingerichtet, fünf Quadrat­meter. Läutete das Telefon, musste man die Fräsmaschinen abstellen, damit ich ­telefonieren konnte.

Was wollten Sie damals erreichen?
Karl Haab: Wir wollten unsere Familien ernähren können. Und dafür gaben wir alles. Als wir am Anfang eine kritische finanzielle Phase durchlebten, gab uns der Vater einen auf seinen Bauernhof verschriebenen, abbezahlten Schuldbrief als Faustpfand für ein Bankdarlehen. Hätten wir versagt, wäre für unsere Eltern ein grosser Schaden entstanden. Dieser Vertrauensvorschuss war für uns eine unglaubliche Motivationsspritze.



Das heisst, sie mussten damals jeden einzelnen Rappen umdrehen?
Otto Haab: Ja, in den ersten Jahren gab
es für mich als Ledigen keinen Lohn. Ich durfte bei meinen Eltern gratis wohnen. Wir ­fingen ganz unten an und arbeiteten uns gemeinsam hoch. Mein Bruder und ich haben uns gegenseitig vertraut. Das brachte den Erfolg.
Karl Haab: Otto hat die kaufmännische Verantwortung übernommen. Ich konnte mich somit auf die Technik konzentrieren und die Leidenschaft entwickeln, die notwendig war, um auf bessere Lösungen zu kommen.

Wie sahen Schiebelösungen vor 1965 aus?
Karl Haab: Sie waren sehr einfach und eher laut. Die ­würde heute niemand mehr kaufen. Schiebetüren waren ein Stiefkind der Branche.

Was brachte den Durchbruch?
Karl Haab: Wir realisierten schnell, dass wir die Geräusche beim Schieben eliminieren müssen. Dann hatte ich die gewagte Idee, Stahlkugellager mit Kunststoff zu beschichten.
Otto Haab: Das war damals eine Welt­neuheit, die ein neues Zeitalter eingeläutet hat. Heute ist das System «Stand der Technik».

Wie wichtig war der HAWA-Junior für Ihren Erfolg?
Otto Haab: Ohne ihn wären wir nicht das, was wir heute sind. Weltweit sind und ­waren über acht Millionen Laufwerke der HAWA-Junior-Familie im Einsatz.
Karl Haab: Ein Beschlag muss für Handwerker einfach zu verstehen sein. Der ­HAWA-Junior ist einfach und robust. Wir haben den HAWA-Junior 80 mit 700 000 Zyklen getestet. Das entspricht ­einer ­Lebensdauer von gut hundert Jahren.

Was hat dazu geführt, dass Fachpartner in aller Welt auf Hawa setzen?
Karl Haab: Die Qualität unserer Produkte. Zudem haben wir von Anfang mit treuen Beschlaghändlern in der Schweiz zusammengearbeitet, die an uns geglaubt haben.
Otto Haab: Auch bei der Vermarktung im Ausland hatten wir gute Partner. Zum ­Beispiel die Firma Häfele seit Anfang der Siebzigerjahre. Sie war mitverantwortlich, dass wir so rasch wachsen konnten.

Heinz und Gregor Haab, Sie sind mit Hawa aufgewachsen. Warum haben auch Sie sich entschieden, Ihr Leben Hawa zu widmen?
Heinz Haab: Ich wollte mit Anfang zwanzig eine weitere Ausbildung in einem ganz ­anderen Bereich machen. Doch ich hatte sehr gute Menschen in meinem Umfeld. ­Einer nahm mich zur Seite und wies mich auf die Chance hin, mit Hawa etwas zu erreichen. Ich habe sie gepackt. Wenn ich mir e­twas zum Ziel setze, lebe ich voll dafür.
Gregor Haab: Ich habe Schreiner gelernt und dann ein Ingenieurstudium absolviert.  Erst im letzten Studienjahr beschloss ich, ins Familienunternehmen einzutreten. Für mich war es Chance und ­Privileg, weiterzuführen, was unsere Väter aufgebaut haben.

Bei Hawa sind alle per Du. Wie kam es dazu und wie wirkt sich dies auf das Betriebsklima aus?
Otto Haab: Das Du ist historisch gewachsen. Die ersten Mitarbeiter kannten wir ­persönlich. Wir duzten uns. Später stellten wir neue Mitarbeiter ein, die wir nicht kannten. Hätten wir sie nicht geduzt, wäre eine Zweiklassengesellschaft entstanden.
Gregor Haab: Es gibt weniger Berührungsängste zwischen den Hierarchiestufen. Und jeder Mitarbeiter spürt, dass er mit seiner Leistung Teil des Ganzen ist.



Von den rund 140 Hawa-Mitarbeitern sind 12 Lehrlinge? Was ist der Grund?
Gregor Haab: Wir wollen uns an der Ausbildung zukünftiger Fachkräfte beteiligen. Schliesslich sind auch wir auf Fachkräfte angewiesen. Eine Reihe ehemaliger Lehrlinge bekleidet bei uns oder in anderen ­Unternehmen verantwortungsvolle Posten. Das ist eine grosse Bestätigung für die Lehrlingsarbeit.
Heinz Haab: Wir haben gute, zum Teil hervorragende Lehrlinge. Sie ins Erwachsenenleben zu begleiten, gehört zu unserer sozialen Verantwortung.

Was ist der grösste Vorteil eines Familienunternehmens?
Heinz Haab: Bei einem Familienunternehmen weiss man, wer hinter der Firma steht. Das schafft Vertrauen.
Gregor Haab: Wir können auch wichtige Entscheidungen sehr schnell und unbürokratisch fällen. Kurze Entscheidungswege sind heutzutage unerlässlich.



Wie haben Sie dafür gesorgt, dass Entwicklung und Produktion immer effizienter geworden sind?
Gregor Haab: Wir investieren Jahr für Jahr ­eine beträchtliche Summe in den Maschinenpark, insbesondere in die automatisierte Fertigung. Wir optimieren unsere Produktionsprozesse mit den neusten Technologien. Unsere Mitarbeiter setzen wir lieber für die Tätigkeiten ein, ­welche von den Maschinen nicht übernommen werden können.

Haben Sie je eine Verlegung der Produktion ins Ausland in Betracht gezogen, wo die Löhne tiefer sind?
Gregor Haab: Damit wir die Produktionskosten trotz Standort Schweiz in einem vernünftigen Rahmen halten können, investieren wir, wie eben erwähnt, laufend. Dazu kommt: Aufgrund der Komplexität in der Produktion sind wir auf viele Fachkräfte angewiesen. In der Schweiz mit ihrem hohen Ausbildungs­niveau finden wir diese Fachkräfte.


Wie schafft man es, über fünfzig Jahre hinweg regelmässig neue Entwicklungen auf den Markt zu bringen?
Gregor Haab: Wir investieren rund acht Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Bei der Innovation haben wir trotz Kostendruck keinen einzigen Franken eingespart.
Heinz Haab: Die grösste Herausforderung ist, unsere vielen Ideen richtig zu bewerten und dann die Richtigen zu verwirklichen. Wir wollen keine Produkte herstellen, nach denen der Markt bereits schreit, sondern spüren, was der Markt in Zukunft brauchen wird.



Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Heinz Haab: Jüngstes Beispiel sind die Dreh-­Einschiebebeschläge. Wir haben sie solide und vertrauenswürdig gemacht. Ein Produkt muss die Handwerker innert weniger Augenblicke überzeugen können. Er muss es in die Hand nehmen können und sofort wissen, wie es zu montieren ist.

Hawa hat 1992 die Firma EKU übernommen. Seit 2015 treten die Firmen gemeinsam auf. Weshalb?
Heinz Haab: Weil wir unseren Kunden bewusst machen wollen, dass sie beim Branchenleader einkaufen. Zusammen haben Hawa und EKU das breiteste Sortiment mit Lösungen für jede Form des Schiebens. Planer und Handwerker sollen das wissen.

Werden Räume in zwanzig Jahren noch gleich konzipiert und genutzt wie heute?
Gregor Haab: Der Trend geht Richtung Verdichtung, individuelle Raumgestaltung und flexible Nutzung. Immer mehr Wohnungen haben nicht starre Wände, sondern flexible Elemente, die den Bedürfnissen der Bewohner angepasst werden können. Dafür liefern wir die Innovationen.

Was hat Sie in der fünfzigjährigen Geschichte von Hawa am meisten beeindruckt?
Karl Haab: Dass wir den Zugang zu den Verarbeitern gefunden haben. Nach fünfzehn Jahren Erfahrung im Innenausbau wusste ich, wie der Handwerker denkt und was er braucht. Wir haben seine technische Sprache gesprochen. Das kam an.
Heinz Haab: Letztes Jahr traf ich in Oman unter anderem den Chef der Fabrikation einer grossen Innenausbaufirma, einen älteren ­Inder. Ich spürte, wie sehr er die Marke ­Hawa schätzt. Er erklärte mir, er würde seit Anfang der Neunzigerjahre fast nur Beschläge von Hawa verwenden, er sei absolut begeistert von der Qualität des Produkts.
Otto Haab: Der Anfang von Hawa in Mettmenstetten hat mich am meisten beeindruckt. Das Vertrauen unseres Vaters und unserer Freunde in uns, welche uns unterstützten. Dass wir die nötigen Mittel zusammengebracht haben, ist für mich heute noch ein Wunder.
Gregor Haab: Mich beeindruckt, dass die unübliche Konstellation von zwei gleichberechtigten Inhaberfamilien über fünf Jahrzehnte so gut funktioniert hat. Das ist aussergewöhnlich.


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