Marianne Burkhalter

Schiebeläden verleihen Gebäuden
mit Holzfassaden Plastizität





Marianne Burkhalter führt seit 1984 zusammen mit ihrem Mann Christian Sumi das Architekturbüro Burkhalter Sumi Architekten in Zürich. Im Jahr 2004 stiessen Yves Schihin und 2012 Urs Rinklef als Partner dazu. Seit 2008 ist Marianne Burkhalter Professorin an der Accademia di architettura di Mendrisio der Università della Svizzera italiana, USI. Das Büro wurde einem breiteren Publikum erstmals mit dem Annexbau des Hotels Zürichberg bekannt. Zu den aktuellen Projekten gehören unter anderem die jüngst fertig gestellte Überbauung Giesshübel in Zürich, das in Planung befindliche Hotel Laudinella in St. Moritz sowie eine Wohnüberbauung auf dem ehemaligen Saurer Industrieareal in Arbon.


Vor 20 Jahren haben Sie Holz als Fassadenverkleidung im städtischen Kontext wieder salonfähig gemacht – beispielsweise 1992 bei der kaufmännischen Schule in Laufenburg oder 1995 beim Annexbau des Hotels Zürichberg. Was hat Sie damals zum Einsatz von Holz bewogen?
Zwei Dinge gaben den Ausschlag: Zum einen haben Christian Sumi und ich neben unserer Entwurfsarbeit immer auch theoretisch gearbeitet. Vor gut 30 Jahren setzten wir uns bei dieser «Recherche Patience», wie wir sie nennen, auch mit Holz als Baumaterial auseinander. Das war sicher eine Initialzündung. Zum anderen sind sowohl das Schulgebäude als auch die Erweiterung des Hotels, obwohl sie neben einem Hauptgebäude stehen, eigenständige Bauten. Sie haben deshalb den Charakter von Pavillons und für diese ist Holz ein klassischer Baustoff.

Was fasziniert Sie am Baustoff Holz?
Holz hat eine Sinnlichkeit, die sich auch mit jener von rohem Beton vergleichen lässt. Dieser ist ja wiederum das Abbild der verwendeten Holzschalung. Aufgrund dieser Verwandtschaft verwenden wir die beiden Materialien gerne auch nebeneinander.

Ist die Materialisierung einer Fassade bei Ihnen schon in einem frühen Entwurfsstadium gesetzt oder steht zuerst das Volumen des Gebäudes im Vordergrund?

Das hängt stark vom Standort ab. Bei vielen unserer Projekte, wie kürzlich etwa der Überbauung Giesshübel in Zürich, steht die städtebauliche Einordnung der Volumina im Vordergrund. Die Materialisierung der Fassade folgt erst viel später.

Verlangt der Einsatz von Holz einen anderen Umgang mit einer Fassade als beispielsweise bei massiven Konstruktionen?
Holz gibt durch die Dimensionen der einzelnen Latten oder Platten einen Rhythmus vor, mit dem man spielen kann. Unser Ziel ist es immer die Plastizität einer Gebäudefassade herauszuarbeiten. Je nach dem ob man eine Holzschalung liegend oder stehend verwendet, kann man die Dimensionen eines Baus ganz anders betonen. Beim Gewerbehaus Fluh in Rapperswil-Jona beispielsweise haben wir die Schalung stehend eingesetzt und so der langen Fassade eine ganz andere Proportion gegeben, als es mit einer liegenden Schalung der Fall gewesen wäre.

Wie gehen Sie mit Öffnungen für Fenster, Türen und Balkone in einer Holzfassade um?
Auch hier muss man – im Gegensatz zu einer massiven Fassade – stark auf den Rhythmus der Verkleidung eingehen. Eine Lochfassade funktioniert mit Holz meist nicht. Die Öffnungen müssen vielmehr sehr gezielt gesetzt sein, damit sie ein Teil der Fassade werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass dies bei Holzverkleidungen oft am besten mit liegenden Öffnungen erreicht werden kann.

Der Schutz der Öffnungen gegen Sonne oder Einblicke ist meist ein schwieriges Thema. Schon bei den erwähnten frühen Bauten haben Sie im Zusammenhang mit den Holzfassaden interessante Lösungen entwickelt.
Bei der Schule in Laufenburg beispielsweise haben wir die Holzschalung über die Fenster gezogen. So waren sie nicht nur gegen die Sonne, sondern auch gegen die Bälle vom benachbarten Sportplatz geschützt. Beim Hotel Zürichberg wiederum lassen sich die Terrassen durch Faltschiebeläden schliessen. Wir hatten damals das Bild eines Schleiers vor Augen, der sich in der Nacht über das Gebäude legt. Dieses Thema haben wir dann in späteren Projekten immer wieder aufgenommen und weiter entwickelt.


Silbernes Understatement: Überbauung Fluh mehr

Beispielsweise in Form von Schiebeläden wie man sie auch bei den Wohnbauten neben dem Gewerbehaus Fluh in Rapperswil-Jona antrifft.
Genau. Schiebe- oder Faltläden sind für uns und unsere Art der Fassadengestaltung optimale Lösungen. In geschlossenem Zustand liegen sie fast in einer Ebene mit der umgebenden Fassade und setzen den Rhythmus des Materials fort. Das lässt sich mit Stoffrolläden oder Rafflamellenstoren nicht erreichen. Das sieht man bei den Wohnhäusern im Projekt Fluh sehr schön: Dort sind die Schiebeläden bei den Fenstern ganz leicht zurückversetzt. Das ergibt dann sehr feine Schatten, die dem Gebäude eine Plastizität verleihen.

Sie scheinen eine Faszination für solche Lösungen zu haben?

Ja, durch die Schiebeläden ergibt sich von innen her ein Spiel mit der Fassade. Denn die Bewohner des Hauses prägen durch das Schliessen oder Öffnen der Läden das Bild der Fassade mit. Das gefällt uns sehr, weil es ungeplant ist und das Haus über den Tagesverlauf hinweg immer wieder unterschiedlich aussieht. So etwas schafft man mit anderen Beschattungs- oder Verdunkelungssystemen nicht. Dasselbe gilt auch für die Terrassen der Wohnhäuser im Projekt Fluh, wo wir ebenfalls Schiebeläden verwendet haben. Mit ihnen können die Bewohner den Ausschnitt aus der Landschaft, den sie sehen wollen, frei wählen. Das finden wir eine sehr schöne Idee.

Danke für das Gespräch Frau Burkhalter.


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Silbrig lasierte, filigrane Fichten-
holzlatten prägen die Optik der Holzfassade der Überbauung Fluh in Rapperswil-Jona. Schiebeläden sorgen dabei für den geeigneten Sonnen- und Sichtschutz.

Überbauung Fluh

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