Villa am Zugersee von Graber und Steiger

Architektur darf auch subjektiv geprägt sein





1995 gründeten die beiden Architekten Niklaus Graber (*1968) und Christoph Steiger (*1968) das Büro Graber und Steiger in Luzern. Das Werkverzeichnis des mittlerweile 15-köpfigen Büros umfasst zahlreiche öffentliche und private Bauaufgaben für Wohnen, Bildung, Tourismus, Dienstleistung oder Industrie. Derzeit befinden sich verschiedene grössere Projekte im Bau – etwa die neue Panorama Galerie auf dem Pilatus. Bereits mehrfach wurden Graber und Steiger für ihre Bauten ausgezeichnet: unter anderem zweimal mit dem Award «best architects» sowie einmal mit dem Silbernen Hasen für Architektur. 2008/2009 realisierten die Luzerner Architekten eine Villa am Zugersee. Ein Interview dazu mit Niklaus Graber (links).


Niklaus Graber, Sie haben mit Ihrem Team ein Haus am Zugersee für eine Familie entworfen. Welches war die Ausgangslage und inwiefern nimmt die Architektur Bezug zur einzigartigen Umgebung?
Wir durften für eine vierköpfige Familie auf einem parkähnlichen Grundstück mit Seeanstoss in Zug ein neues Heim bauen. Die privilegierte Lage mit der atemberaubenden Aussicht auf den See, die Berge und die Stadt Zug sowie der idyllische Charakter der nahen Umgebung prägten den Entwurf stark mit. Eine vielschichtig bespielbare architektonische Topografie charakterisiert den Bau und steht der Landschaft in geerdeter Gelassenheit gegenüber. Verschiedene Terrassen und ein sorgsam arrangiertes Öffnungsverhalten inszenieren die Qualitäten des Ortes in differenzierter Weise. Ein zweigeschossiger Lichtraum im Zentrum des Hauses bildet den Angelpunkt, um den sämtliche Nutzräume ringförmig angeordnet sind.

An verschiedenen Orten setzten Sie Schiebelösungen ein. Weshalb ziehen Sie diese herkömmlichen Drehtüren vor?
Schiebelösungen kamen überall dort zum Zug, wo es darum ging, die Raumsequenzen flexibel bespielen und unterteilen zu können. Und zwar nicht nur in funktionaler Hinsicht, sondern auch von der räumlichen Wirkung her. Die Vorteile sehen wir insbesondere in der Dimensionierung von Raumabschlüssen. Raumhohe Wandelemente, die das Mass einer herkömmlichen Türe überschreiten, lassen sich mittels Schiebetüren bequem bewegen. In offenem Zustand wirken die Räume zusammenhängend, kontinuierlich und fliessend. In geschlossenem Zustand entstehen einzelne, kammerartige Räume. Dazu kommen natürlich sämtliche Zwischenformen. Das heisst, der Grad der Trennung ist absolut subtil und individuell regelbar, was beispielsweise eine optimale Anpassung an den Tagesablauf erlaubt.



Welche Materialien sind prägend für das Haus?
Aussen wirkt das Gebäude durch seine raue Klinkerfassade erdig und natürlich. Innen dominieren im Wand, Decken- und Ausbaubereich helle, glatte Materialien, welche die angestrebte Lichtführung speziell zu inszenieren vermögen. Die Böden sind dagegen durchgängig in dunklem Holz gehalten.

Aus welchen Überlegungen wurden Klinkersteine eingesetzt?
Hartgebrannte Klinkersteine verleihen dem Baukörper eine sehr sinnliche Haptik und Massstäblichkeit. Ihr natürlicher, stark changierender Farbton ist zu allen Jahreszeiten das adäquate Gegenüber zum allgegenwärtigen Naturbezug des Grundstücks. Nicht zuletzt ist der Klinker ein robustes, unterhaltsfreies Fassadenmaterial, was die Nachhaltigkeit des Gebäudes wesentlich erhöht.

Inwiefern war denn Nachhaltigkeit ein Thema?
Nachhaltigkeit ist beim Bauen immer ein Thema. Im vorliegenden Fall wurden nebst der Wahl eines alternativen Energieträgers auch bei der Materialisierung auf Nachhaltigkeit geachtet. Und die Konzeption der Räume folgt ebenfalls diesen Überlegungen: Das Haus ist im Grundriss so konzipiert, dass der östliche Teil mit minimalen Eingriffen als separate zweigeschossige Einliegerwohnung abgetrennt werden kann. Somit kann das Haus später gegebenenfalls durch mehrere Generationen gleichzeitig bewohnt werden.

An welchen Grundsätzen orientiert sich Ihre Arbeit?
Uns ist es wichtig, die Entwürfe aus den jeweils spezifischen Gegebenheiten heraus zu entwickeln und eine angemessene Lösung zu finden, was ein grundsätzliches Hinterfragen jeder Aufgabe nach sich zieht. Wir versuchen nicht eine «objektive» Architektur zu entwickeln, sondern tendieren zu einer subjektiv geprägten Architektur. Das bedeutet, dass unsere subjektive Haltung ohne weiteres auch kritische Überlegungen und eigene Interpretationen zur gestellten Aufgabe ins Spiel bringen darf. In diesem Sinne verstehen wir unsere Entwürfe auch als Statements zum Umfeld und zur Kultur, in welcher wir unser Metier ausüben.

Niklaus Graber, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.


Zurück zur Übersicht Impulse




Die idyllische Umgebung prägt die Architektur massgeblich und das flexible Raumprogramm lässt sich unterschiedlichen Bedürfnissen anpassen.

Villa am Zugersee

© 2017 Hawa Sliding Solutions AG, Schiebebeschlagsysteme