Küche im Wandel

Ein Raum, viele Funktionen


Im Laufe des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Küche vom einstigen sozialen Zentrum des Hauses zum separierten Kochlabor und wieder zurück zum heutigen Wohnmittelpunkt.

Während im 19. Jahrhundert Küche und Wohnraum noch untrennbar miteinander verbunden waren – schliesslich war die Küche meist der einzige beheizbare Ort eines Hauses –, führte die technische Aufrüstung zu Beginn des 20. Jahrhunderts dazu, dass diese mit all ihren Gerüchen und Geräuschen mehr und mehr in abgetrennte Räume verbannt werden konnte.

© Gerald Zugmann / www.zugmann.com
Frankfurter Küche

Der zunehmenden Berufstätigkeit der Frauen wurde bereits in den 1920er-Jahren Rechnung getragen: Um der Arbeiterfrau die Hausarbeit zu erleichtern, versuchte man die Küche so zweckmässig wie möglich zu gestalten. Mit der bekanntesten Küchenoptimierung – der so genannten Frankfurter Küche, 1926 entworfen von der Wiener Architektin Grete Schütte-Lihotzky – war auf einer Fläche von knapp sieben Quadratmetern die Einbauküche geboren.

Bis heute ist sie – mit den entsprechenden Modernisierungen – aus den Programmen der Küchenhersteller nicht wegzudenken. Die Interpretation der Küche als reiner Arbeitstraum, mit minimaler Fläche und abgetrennt vom Wohnbereich, hielt sich bis in die 1960er- und 1970er-Jahre. Der deutsche Designer Otl Aicher bemängelte damals, dass die Hausfrau stets mit dem Gesicht zur Wand arbeiten müsse und entwarf als Lösung des Problems eine in der Raummitte platzierte Küchenwerkbank – die Urahnin der heute so beliebten Kochinsel. Für deren Unterbringung ist heute in den meisten Neubauten die räumliche Voraussetzung gegeben. Denn in jüngerer Vergangenheit durfte sich die Küche dank zeitgemässer Küchentechnik mit hocheffizienten Dunstabzugshauben erneut zum Wohnraum hin öffnen und ist wieder soziales Zentrum des Hauses.


Küchen-Versteck: Wohnung in Berlin-Kreuzberg mehr

Architekten wie die Berliner dAX_I gehen sogar noch einen Schritt weiter. Bei ihrem kürzlich fertig gestellten Wohnungsumbau in Kreuzberg bildet eine ineinander verschmelzende Raumsituation von Wohnzimmer und Küche die zentrale Entwurfsidee. Mit Ausnahme des Kochfeldes ist die komplette Küchenausstattung in einem L-förmigen Einbaumöbel untergebracht. Durch das Öffnen von sechs grossformatigen Türen – die bequem aufgedreht und in dafür vorgesehene Nischen geschoben werden können, so dass kein offener Türflügel im Raum steht – kommt die darin untergebrachte Küche samt Geräten und Spülbecken zum Vorschein. In geschlossenem Zustand sieht man nichts weiter als eine schlichte, hölzerne Wand, die dem sehr offen und luftig gestalteten Raum wohltuenden optischen Halt verleiht. Lediglich die davor platzierte, aber genauso minimalistisch gestaltete Kochinsel und der Esstisch geben Hinweise auf die perfekt versteckten Funktionen.

Raumzonen statt starrer Raumstrukturen
Lösungen wie derjenigen in Kreuzberg gehört die Zukunft. Forschern zufolge wird sich der Trend zu offenen, flexiblen Raumstrukturen und Möbeln, die diese Variabilität aufnehmen und unterstützen, noch weiter fortsetzen. Künftig werden wir unsere Wohnungen demnach vermehrt in Zonen aufteilen, die keine konkrete Nutzungen vorgeben, sondern je nach Bedarf verschiedene Funktionen erfüllen können.


«Store It!» – Wettbewerbsbeitrag des Hawa Student Award 2012 mehr

Wie das aussehen könnte zeigen die beiden ETH-Architekturstudenten Michael Fehlmann und Benjamin Minder. Mit einem Wohnungsentwurf, den sie beim Hawa Student Award 2012 eingereicht haben, liefern sie einen spannenden Beitrag zum Thema verdichteter, günstiger Wohnraum. Kernstück des Entwurfs ist ein schrankartiger Baukörper im Zentrum der Wohnung, der die Einrichtungen für die unterschiedlichen Funktionen wie Wohnen, Arbeiten oder Schlafen als ausziehbare Schiebemöbel in sich birgt: Dem individuellen Tagesablauf folgend werden nacheinander die entsprechenden Funktionen aktiviert. Auch die Küche wird als ausziehbares Möbel nach Bedarf in den Raum hineingeschoben und danach wieder im «Schrank» versenkt.


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Raumzonen statt starrer Raumstrukturen: integrierte Küchenlösung des Berliner Büros dAX_I.

Küchen-Versteck

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